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Lew Palm

Softwareentwickler.

Pro­jekt: Au­to­no­mer Outdoor-Blimp (2006-2008)

Die Informatik-Fakultät der Uni Bremen ist recht fortschrittlich: Dort gibt es während des (Diplom-) Studiums keine Klausuren, dafür aber viel Projektarbeit; besonders hervorzuheben ist das 2-jährige Hauptstudiumsprojekt.

In diesem bilden zwei handvoll Studierender ein Team und verwenden einen großen Teil ihres Unilebens kontinuierlich über die zwei Jahre auf ein Projekt. Meist wird das Thema durch eine Lehrkraft vorgegeben; im Fall des Blimp-Projektes war dies anders: mir kam als Student die Idee und das Konzept für ein selbststeuerndes (unbemanntes) Luftschiff im Jahr 2006. Ich konnte das mit der Uni verbundene BIBA und den dortigen Abteilungsleiter Carl Hans als Betreuer gewinnen, sowie eine engagierte Horde Stundenten von meinen Plänen überzeugen und an Bord holen.

Zwei entbehrungsreiche Jahre folgten, in denen wir nicht nur mehrere Blimps – Prallluftschiffe ohne starres Skelett im Auftriebskörper – bauten (das letzte war 9 Meter lang), sondern vor allem die autonome Steuerung konzipierten und programmierten. Das Luftschiff hatte mehrere Sensoren, um seine Position und Bewegung festzustellen. Das Konzept sah vor, dass das Schiff sich im Außenbereich über längere Strecken bewegen sollte, weswegen der wichtigste Sensor ein GPS-Empfänger wurde. Wir setzten nicht auf einen Microcontroller als „Gehirn“ des Blimps, sondern pflanzten ihm einen kompletten Linux-Computer (einen Gumstix) ein.

Entsprechend komplex konnte die Steuerung programmiert werden. Mehrere parallel laufende Prozesse kümmerten sich um die Navigationsaufgaben, ein zentraler Überwachungsprozess konnte die anderen im Fehlerfall neustarten. Ebenso lief eine Enduser-Bedienungsoberfläche auf dem Gerät, in die man sich per SSH über Bluetooth oder LAN-Kabel einloggen konnte. Das Gesamtsystem testeten wir in einer Flugsimulation (FlightGear), deren Kern für physikalische Berechnungen wir für Leichter-Als-Luft-Flug neu entwickelten.

Es ließe sich noch weit mehr zu den Details der Konzepte und technischen Umsetzungen erzählen. Dazu verweise ich auf den von allen studentischen Projektteilnehmern verfassten Abschlussbericht.

Das Hauptziel des Blimp-Projektes wurde erreicht: Alle Mitstreiter haben viel gelernt über die Probleme und Lösungen einer solchen langfristigen und intensiven Teamarbeit. Das Luftschiff ist auch gut gefahren – draußen per menschlicher Fernsteuerung wie auch autonom in der Simulation. Eine lange autonome Außenfahrt wäre natürlich ein krönender Abschluß und Beweis der Richtigkeit unserer Ansätze gewesen; sie fand aber leider nie statt. Das lag schlicht am Geldmangel. Gegen Ende der Projektzeit stellten wir im Versuch fest, dass die Antriebsmotoren unterdimensioniert waren. Das Schiff kam selbst gegen schwache thermische Strömungen, wie sie an Gebäuden auftreten, kaum an. Neue Motoren wären zu teuer gewesen; außerdem mussten sich die Blimpianisten nach dem offiziellen Ablauf des Projektes um ihre Diplomarbeiten und anderen Verpflichtungen kümmern, so dass sich nicht mehr um das Aufreiben neuer Geldquellen gekümmert wurde. Schade, aber zumindest ich bin stolz auf unsere Arbeit und hoffe, dass darauf Nachfolgeprojekte aufbauen werden.

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